Filter in der Digitalfotografie
Teil 1: Der Polfilter

In der analogen Fotografie war der Einsatz von Filtern unentbehrlich. Viele davon sind in der heutigen Digitalfotografie überflüssig geworden, die Effekte lassen sich bei der Bildbearbeitung am Rechner problemlos umsetzen.
So lassen sich die früher in der analogen SW-Fotografie üblichen Rot-, Orange-, Gelb- und Grünfilter in der Digitalfotografie am Rechner nicht nur problemlos nachbilden, die Wirkung auf die verschiedenen Farben bei der Konvertierung in Grautöne ist am Rechner sogar sehr viel feinfühliger möglich als mit den früher üblichen Filtern.

Das gilt jedoch nicht für alle Filter. In dieser Artikelserie versuche ich, euch einen Überblick zu geben über die Filter, die auch in der heutigen Digitalfotografie noch ihre Daseinsberechtigung haben.

Der Polarisationsfilter

Einer der Filter, die heute noch genau so unentbehrlich sind wie zu analogen Zeiten, ist der Polarisationsfilter (Polfilter).

Wirkung

  • reduziert Spiegelungen
  • kann Spiegelungen aber auch verstärken
  • verstärkt das Himmelblau oder die Farben eines Regenbogens
  • verbessert Kontraste in Landschaftsaufnahmen
  • ermöglicht Einblicke in sonst undurchsichtige Fenster oder unter die Wasseroberfläche
  • macht das Blattgrün in Naturfotos satter
  • beseitigt das unerwünschte Glitzern beim Abfotografieren von Ölbildern
  • lässt Mineralien in mikroskopischen Bildern leuchtend erscheinen.

Funktionsweise

Ein Polfilter filtert Licht einer bestimmten Polarisationsrichtung aus.
Licht breitet sich in Form von Wellen aus, und Wellen haben eine Schwingungsrichtung. Die Schwingungsrichtung der Lichtwellen bestimmt die sogenannte Polarisation des Lichtes.
Eine Lichtwelle kann von links nach rechts schwingen; dann nennt man sie „horizontal“. Schwingt die Lichtwelle von oben nach unten, heißt sie „vertikal“.
Und natürlich gibt es auch alle Zwischenstufen zwischen horizontaler und vertikaler Schwingungsrichtung.
Gewöhnliches Licht enthält eine gleichmäßige Mischung aller Richtungen; dann nennt man dieses Licht „unpolarisiert“, weil es sich keiner Richtung zuordnen lässt.
Unter bestimmten Umständen kann Licht jedoch auch polarisiert sein. Das bedeutet, dieses Licht enthält bevorzugt Wellen einer bestimmten Polarisationsrichtung, und die gegenteilige (d. h. um 90° hierzu gedrehte) Polarisation kommt nicht vor.
Uns ist dies normalerweise nicht bewusst, da unser Auge die Polarisationen nicht unterscheiden kann. Für uns Menschen sieht Licht immer gleich aus, egal welche Schwingungsrichtung die Wellen haben.
Ganz anders ein Polarisationsfilter:
Er lässt Licht einer Polarisationsrichtung durch, sperrt aber Licht der hierzu um 90° gedrehten Polarisationsrichtung. Um einzustellen, welche Richtung gesperrt werden soll, lässt sich der Filter in seiner Fassung drehen.
Solange das Motiv nur unpolarisiertes (also gemischtes) Licht enthält, tut der Polarisationsfilter nichts Anderes, als gut die Hälfte des Lichts zu löschen. Er wirkt dann wie ein leichter Graufilter..
Interessant wird es, wenn Teile des Lichtes im Motiv polarisiert sind (d. h. bevorzugt Wellen einer bestimmten Richtung enthalten). Dann können wir den Polfilter so drehen, dass er genau dieses Licht auslöscht oder relativ zur Umgebung verstärkt – und auf dieser physikalischen Grundlage basieren die meisten Effekte, für die man Polfilter einsetzen kann.

Anwendung

Ein Polfilter muss vor jeder Aufnahme eingestellt werden. Das Einstellen erfolgt durch Drehen des Filters und Beobachten des resultierenden Bildes im Sucher.
Nur so kann man bestimmen, welche Anteile des Lichts durchgelassen werden sollen, und welche nicht
. Eigentlich reduziert sich die Anwendung in der Digitalfotografie auf das Reduzieren von Spiegelungen, wenn es denn sein muss.
In der Produktfotografie oder beim Fotografieren durch Glasscheiben kann ein Polfilter unverzichtbar sein.
In der Landschaftsfotografie hingegen, kommt es allerdings immer sehr auf das Motiv an. Auf Teufel komm raus auf jeder Wasserfläche die Spiegelung wegzunehmen, macht meines Erachtens nach überhaupt keinen Sinn – oft ist es doch gerade die Spiegelung, die das Bild interessant macht.
Für den blauen Himmel, den Regenbogen und die grünen Blätter gilt: das mache ich eigentlich lieber mit Lightroom. Das Blau des Himmels lässt sich wunderbar über die HSL-Regler etwas dunkler gestalten – genau wie das Grün der Blätter.
Beides hat den Vorteil, dass dabei nicht das Aussehen als solches modifiziert wird – die Reflexionen sind ja natürlich und in der Realität vorhanden. Wenn man den Himmel mit Lightroom dunkler macht, bekommt auch keine unregelmäßigen Abschattungen und bei den Blättern bleibt die Plastizität durch die Reflexionen erhalten.

Nimmt man die nämlich weg, wirken die Blätter oft zwar satt aber gleichzeitig auch matt.

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