Lightroom mit Midi-Controller steuern

Ich hatte schon längere Zeit die Idee, meine Arbeit mit Lightroom durch einen speziellen Controller zu beschleunigen. Da das Modul-System von Palette Gear zu teuer ist, fiel die Wahl zunächst auf Loupedeck+.

Warum ich mir diesen speziellen Controller dann doch nicht gekauft habe, und was ich stattdessen einsetzen, davon erzähle ich in diesem Artikel.

Die Idee, Lightroom mit einem Controller zu steuern, geisterte schon längere Zeit in meinem Kopf herum.
Die Wahl fiel erst mal auf das Loupedeck+, einem speziellen Controller für Lightroom. Um nicht enttäuscht zu werden (ca. 230€ sind kein Schnäppchen) habe ich erst mal recherchiert und viele Erfahrungsberichte gelesen.
Manche haben das Loupedeck+ in den höchsten Tönen gelobt, viele waren aber auch nicht so begeistert davon. Gegen das Loupedeck+ sprachen vor allem:

  • laute Tastengeräusche beim Drücken der Tasten
  • schwammige Tasten: man muss die Tasten genau in der Mitte treffen, damit Lightroom die Befehle erkennt und umsetzt
  • die Anordnung der Regler und Tasten sind völlig anders angeordnet als man es in Lightroom gewohnt ist
  • zum Sortieren gibt es nur die Möglichkeit, die Bilder entweder mit Sterne zu bewerten, oder man nutzt die Farbmarkierungen von Lightroom.

Wer es, wie ich, gewohnt ist, in einem ersten Durchgang erst einmal alle Bilder, die schon auf den ersten Blick als unbrauchbar zu erkennen sind, als abgelehnt zu markieren und dann in einem Rutsch zu löschen, muss sich erst einmal umgewöhnen, und braucht vermutlich auch länger als für die Sortierung als mit Maus und Tastatur. Wenn man sich dann noch die Belegung der Tasten und Regler merken muss, ist man schnell genervt und das teure Loupedeck mutiert zum teuren Briefbeschwerer.

Genau das wollte ich nicht, und habe dann weiter nach Alternativen recherchiert. Gestoßen bin ich dann auf die Möglichkeit, Lightroom mit Hilfe eines Midi-Controllers zu steuern. Diese Controller kennt der eine oder andere vielleicht aus der Musikproduktion. Da Lightroom den Controller nicht direkt ansprechen kann, bedarf es einer zwischengeschalteten Software.

Gesagt, getan, ich habe mir also den Midi-Controller Behringer X Touch mini bestellt. Dieser Controller bietet 8 Endlos-Drehregler und 16 Tasten sowie einen Schieberegler, verteilt auf 2 Hardware Ebenen. Der Preis ist mit ca. 45€ auch für Anfänger sehr günstig.
Da die Drehregler des X Touch Mini recht glatt sind, empfehle ich, diese gegen andere auszutauschen:
Gut geeignet dafür sind die Knöpfe von Doepfer (Doepfer A-100 Rotary Knob), da man sie auch farbig bekommt und die Regler entsprechend der HSL-Regler in Lightroom mit der korrespondierenden Farbe bestücken kann, jedenfalls die meisten.
Einfach beherzt an den alten Drehreglern ziehen, dann kann man sie problemlos austauschen.

Was noch fehlt ist die Steuersoftware, die Lightroom in die Lage versetzt, die Befehle unseres Controllers auch umzusetzen.

Für Windows-Nutzer wie mich gibt es derzeit 2 Programme, um Lightroom mit einem Midi-Controller zu steuern:
Midi2LR
LRControl (kostenpflichtig)
Der ganz große Nachteil bei LRControl ist die fixe, nicht anpassbare Belegung der Regler und Tasten. Das heißt, man muss sich auf jeden Fall einen ganz neuen Workflow aneignen. Der Konfigurationsaufwand ist dafür sehr gering.

Die Software Midi2LR ist eine kostenlose Open Source Lösung und lässt sich hochgradig an die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Workflow anpassen. Die sehr gute Anpassbarkeit bedingt natürlich einen recht hohen Konfigurationsaufwand.

Manche Anwender von Midi2LR bieten ihre Profile zum Download an. Das verringert zwar den Konfigurationsaufwand, funktioniert aber höchstwahrscheinlich nicht für den eigenen Workflow und ist daher allenfalls als eine erste Grundversion zu betrachten.

Ich empfehle daher, sich die Zeit zu nehmen und von Anfang an den Controller an den eigenen Workflow anzupassen.
Wer sich diese Zeit für die Konfiguration nimmt, wird mit einem perfekt an den eigenen Workflow angepassten Lightroom-Controller belohnt.

Ich habe mich für Midi2LR entschieden, aus dem einfachen Grund, da ich die Software genau so konfigurieren kann, wie ich meine Bilder bearbeite….. angefangen vom Sichten und Sortieren über die Bearbeitung bis hin zum Export der RAW-Bilder entweder für das Archiv als jpg oder für eine komplexere Bearbeitung in Photoshop.

Im Folgenden beschreibe ich kurz die Installation und Konfiguration der Software unter Windows 10.

Installation

Um die Controller-Software Midi2LR installieren zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Lightroom 6 oder Lightroom Classic CC
  • ein USB-kompatibler Midi-Controller wie der Behringer X Touch Mini
  • Windows 7, 8 oder 10

Lade die aktuelle Version von Midi2LR herunter.

Da sich die Software als PlugIn von Lightroom einträgt, muss Lightroom vor der Installation geschlossen sein.
Den Controller bitte erst nach der Installation anschließen.

Die eigentliche Installation funktioniert wie bei allen Installationsprogrammen unter Windows und ist schnell erledigt.
Macht euch vor der Installation Gedanken, wo ihr die Mapping-Tabellen für die Controller-Belegung speichern wollt, das Installationsprogramm fragt während der Installation danach.
Ich habe dafür einen Unterordner in dem Ordner angelegt, wo auch Lightroom seine Katalog-Dateien ablegt.

Die Installation trägt Midi2LR als PlugIn in Lightroom ein, daher sollte Midi2LR bei jedem Lightroom-Aufruf automatisch starten. Ist das einmal nicht der Fall, lässt sich Midi2LR einfach über Datei —-> Zusatzmoduloptionen —-> Start Server starten.

Die ersten Schritte

Zur Konfiguration wird der Midi-Controller an einen USB-Port angeschlossen (man sollte den Controller direkt anschließen und nicht über einen USB-Hub…. bei mir gab es, als ich den Controller über meinen Hub angeschlossen hatte, Verzögerung bei der Umsetzung der Befehle durch Lightroom. Bei Direktanschluss konnte ich das nicht feststellen).

Drückt man jetzt bei geöffneten Midi2LR-Fenster eine der Tasten auf dem Controller erzeugt Midi2LR für die Taste eine Zeile in seiner Mapping-Tabelle. So lange man der Taste keine Funktion von Lightroom zugewiesen hat, steht dort „Unmatched“. Das ändert sich, wenn wir mit der linken Maustaste auf diesen Eintrag klicken und der Taste (oder dem Regler) eine Lightroom-Funktion zuweist. Dann erscheint dort die englische Bezeichnung für den entsprechenden Befehl.
Bei den Drehreglern lässt sich hier nicht nur der entsprechende Befehl hinterlegen, sondern auch zum Beispiel die Schrittweite des Reglers einstellen.

Wie es weitergeht und ein erstes Fazit erfahrt ihr im nächsten Jahr in einem zweiten Teil.